Zu Besuch in Wien

Amer war bis kurz nach seinem positiven Bescheid in Wels untergebracht. Nun wohnt er in Wien und versucht dort, ein neues Leben zu beginnen. Bei meinem Besuch wohnt ein weiterer Syrer mit ihm, aber es werden weitere Menschen folgen. Die Betten stehen schon bereit. 

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Es ist sehr heiß während ich an der besagten Adresse einen Parkplatz suche. Ich finde die Hausnummer nicht und so kommt Amer vor die Haustüre um mich abzuholen. Wir gehen über einen Hinterhof zu einem Lift. Das Haus wird an einigen Stellen gerade renoviert. Ihr Zimmer ist davon nicht betroffen. Wir kommen in eine Vierzimmerwohnung, alles ist eingerichtet, so wie man es früher hatte. Amer ist zufrieden, immerhin eine Wohnung. Und Wien. Wien gefällt ihm viel besser. 

Die Wohnung ist alt, die Wände schmutzig. Alles ist schon in die Jahre gekommen. Aber Amer ist glücklich. Er sieht sich im Internet nach einem Auto und nach einem Job um. Aber seine Sprachkenntnisse sind noch zu gering. Er zeigt mir ein paar Autos die günstig wären und noch ganz gut aussehen, ich erkläre ihm die Wörter "Motorschaden" und "kein Pickerl". Die Sonne heizt den Raum noch weiter auf und Amer versucht mit dem Vorhang ein wenig Schatten zu spenden. Er bringt Tee und Kekse und wir vergleichen syrische und österreichische Bedingungen. Dann dreht er den Kopf in Richtung Bett. Ein Tablet liegt dort. Sie zeigen Kriegsszenen und zerstörte Städte. "That's Syria", sagt er leise.

Haus Courage

Das Haus Courage in Wels besteht nun schon seit über 10 Jahren und beherbergt Flüchtlinge von vielen verschiedenen Nationen. Viele warten schon seit Jahren hier. Auch Kami ist vorübergehen dort untergebracht. Die Zustände sind nicht optimal, aber so erträglich. 

 

Wir sitzen in einem kleinen Raum mit zwei Betten, einem Tisch, einem Kasten und einen Kühlschrank. Der Tisch ist voll mit Geschirr. Kami erzählt mir von seinen Schulnoten in Deutschland und seinem Beruf im Iran. Er vermisst seine Werkstätte. „Könnte ich doch nur wieder arbeiten…“. Die Zeit nagt an den Nerven. Die Ungewissheit was mit einem geschieht an der Psyche. Ihn quälen die Gedanken daran und sie halten ihn vom Schlaf hab. Obwohl Kami einiges zu tun hat. Neben den Deutschkursen wird er regelmäßig zur Polizei für Übersetzungen eingeladen.

 

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Es klopft an der Tür, ein junger Mann kommt herein. Sie grüßen sich und Kami stellt ihn mir vor: Ali wird er genannt. Er spricht Deutsch mit mir. Das kommt selten vor. Ich erzähle ihm kurz was ich mache und frage ihn, ob er mir etwas von sich erzählen möchte. Er kommt ebenfalls aus dem Iran und wartet schon seit über 2 Jahren auf sein Interview. Er musste ebenfalls wegen Verfolgung der Regierung flüchten, aus religiösen Gründen. Außerdem hat er eine Freundin hier. Auch das ist sehr selten. Er hat sie bei der freiwilligen Hilfe im Altenheim kennengelernt. 

Er erzählt von seinen Brüdern die es nach Australien geschafft haben. Sie meinten immer, er sollte doch zu ihnen kommen. Doch Ali tut sich so eine Flucht nicht noch einmal an, er bereitet sich auf sein bevorstehendes Interview an um endlich eine Antwort auf das lange Warten zu bekommen. Ich wünsche ihm viel Glück dabei. 

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