Neuanfang

Ein Projekt, dass sich mit dem Thema Asyl in Österreich auseinandersetzt. Aufgrund diverser Medien und Menschen, wollte ich wissen wie die Leute die zu uns kommen wirklich sind und wie die Wahrheit aussieht. Und ich möchte, dass alle Menschen diese Wahrheit sehen. Aus diesem Grund gehe ich regelmäßig in verschiedene Asylheime, unterhalte mich mit den Personen über ihre Geschichten und mache Fotos.
Hier stehen meine allgemeinen Eindrücke.

Erste Eindrücke

„Noch nie wurde nur eine einzelne Zigarette gestohlen“, sagt Kambiz, während er mit erhobenen Zeigefinger hin- und herwackelt. Und das ist verwundernd, sollte man all den Leuten glauben die meinen das hier alle kriminell wären. Kambiz spricht perfekt Deutsch, er lebte 7 Jahre lang in Deutschland, ging aber dann zurück in den Iran, wo er schon als 12 Jähriger flüchtete. Nun musste er wieder weg, aufgrund religiöser Verfolgungen und weil er gerne viel redet, meint er.

Sein Weg nach Österreich ist für einen Flüchtling nicht üblich, er kam über den Luftweg. Das können sich nicht viele Leisten. Aber Kambiz war kein armer Mann im Iran, er lebte gut, hatte ein Haus, eine gut bezahlte Arbeit, eine eigene kleine Fabrik wie er es nennt. Er ist gebildet und intelligent. Jetzt hat er 5,50 € am Tag zur Verfügung. Dafür hat er das privilig einer Monatskarte der öffentlichen Verkehrsmittel. Weil er sich engagiert und jeden Tag drei Klassen Deutsch unterrichtet, für andere Flüchtlinge. Geld bekommt er dafür keines, sogar die Zugkarte hat er sich anfangs selbst bezahlt.

„Er war der erste hier“, erzählt er. Mit „hier“ meint er die neue befristete Unterkunft in Wels. Damals war das Gebäude eine Psychiatrie. Heute leben 60 Flüchtlinge dort. Jedoch nicht mehr lange, wie ich ankomme, heisst es, das Gebäude wurde verkauft und es ist etwa noch ein Monat Zeit um alle Personen woanders unterzubringen. 

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Das erste Zimmer

„Do you want Greentea?“, sagt Amer zu mir, nachdem mich Kami in sein Zimmer geführt und mich vorgestellt hat. Ich bin keine 5 Minuten im Raum und schon sitzen wir zu dritt am Tisch, drinken Tee und essen Butterkekse. „Refugee food“, nennt es Amer, und lacht dabei. Die Zeit vergeht sehr schnell, obwohl ich noch nichtmal nach der eigentlichen Geschichte von ihm gefragt habe. Wir reden über alles mögliche, was ich so mache, über Fotos die ich gemacht habe, über verschiedene Orte in Österreich. Eine angenehme Atmosphäre.

Geschichten

Ich sitze wieder einmal im Zimmer 105 und unterhalte mich mit den Leuten. Es sind Geschichten, die man selbst nur schwer nachvollziehen kann. Sie fesseln einen, die Zeit vergeht so schnell, dass es nicht selten nach Mitternacht ist, wenn ich das Asylheim verlasse. Die Routen die bestritten werden dauern von einigen Monaten bis über ein Jahr. Kälte, Nässe, Stacheldrahtzäune die überwunden werden, Menschen von denen man geschlagen wird, Korruption wohin man sieht. Man kann es nur erahnen welche Strapazen man auf sich nehmen muss, um es nach Österreich zu schaffen. Und viele schaffen es nicht, kommen unterwegs um. Für Familien, Kinder und ältere Menschen ist es besonders schwer. Die Wünsche der Menschen sind hingegen sehr simpel. Die meisten Wünschen sich in Frieden leben zu können und Freunde zu finden. 

Ich freue mich, auf dem Weg ins Asylheim, bin etwas nervös. Am Vormittag habe ich Kami noch eine SMS geschrieben dass ich heute komme. Leider hat er nicht geantwortet. 

Am Eingang sitzt eine Frau, um sie sind drei Kinder. Ein kleines Chaos. Die Frau lächelt mir freundlich zu, ich setzte mich zu ihr und wir reden über ihre kleine Familie. Sie ist mit ihrer Mutter hergekommen, die Kinder sprechen für ihr junges Alter schon sehr gutes Englisch und besuchen die Schule in Wels. Auf einmal sehe ich Kami wie er gerade in unsere Richtung geht. „Du musst mich schon anrufen“, schreit er rüber, „wir haben hier nie Guthaben“, und lacht.

Abschiedsfest

Heute komm ich schon früher in Asylheim als sonst. Ich hab mir extra schon am Nachmittag Zeit genommen. Der Grund ist das Abschiedsfest in der Linzer Straße. Es sind nur noch wenige hier, die meisten hatten bereits ihren Transfer. Die wenigen die noch hier sind feiern so gut es möglich ist. Es wird gegrillt, viele Tanzen zu Musik ihrer Heimat. Für kurze Zeit wird alles drumherum vergessen. Später sitze ich noch mit Mahmoud im Zimmer, er ist nun alleine.. Dort wo vor einiger Zeit noch sehr viel Leben herrschte, hat der Raum jetzt etwas kühles. Auch am Gang ist es sehr ruhig. Fast ein wenig unheimlich. Als könnte man die Gefühle der Menschen spüren.

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